Kauri – Geheimnis einer Weltwährung

Weisse, oval förmige Muscheln zieren derzeit Halsbänder, Gürtel oder Armbänder: Wer etwas auf sich hält, trägt Accessoires mit «Kauri-Muscheln». Ursprünglich waren diese Muscheln aber nicht Zierde, sondern Zahlungsmittel. In Afrika und Ozeanien gebrauchten die Menschen Muschelgeld aus Muschelschalen und Schneckengehäusen.
Weisse, oval förmige Muscheln zieren derzeit Halsbänder, Gürtel oder Armbänder: Wer etwas auf sich hält, trägt Accessoires mit «Kauri-Muscheln». Ursprünglich waren diese Muscheln aber nicht Zierde, sondern Zahlungsmittel. In Afrika und Ozeanien gebrauchten die Menschen Muschelgeld aus Muschelschalen und Schneckengehäusen. Am bekanntesten sind die «Kauris», die wohl zu den ältesten nicht münzlichen Zahlungsmitteln gehören. Ende des 13. Jahrhunderts berichtet Marco Polo über das in der chinesischen Provinz Caragian zirkulierende Kauri-Geld: «Als Zahlungsmittel werden weisse Muscheln gebraucht. 80 Muscheln sind einen Silber-Saggio wert, was 2 venezianischen Groschen entspricht.» Polos Aussage ist zoologisch nicht ganz einwandfrei. Die Kauris – Cypraea moneta und die kleinere Cypraea annulum – zählen zur Familie der Schnecken. Im Volksmund werden sie weiterhin liebevoll «Kauri-Muscheln» genannt. Der Eintrag Polos ist wirtschaftlich korrekt und als Dokumentation der ältesten und dauerhaftesten Währung des damaligen China von grosser Bedeutung.
Nicht nur in China, sondern auch auf den Malediven war die Kaurischnecke als Zahlungsmittel gebräuchlich. Im 14. Jahrhundert wurden die im Meer lebenden Tiere eingesammelt und in Gruben so lange an der Küste niedergelegt, bis das Fleisch verschwand und nur noch das Gehäuse übrigblieb. Die Bewohner entwickelten ein umfangreiches Zahlungssystem: 1 Siyah entsprach 100 Kaurischnecken. Aber erst für 400 000 Schnecken gab es 1 Gold-Dinar.
Auch heute existieren vielfältige Verwendungsformen für die Porzellanschnecke. Wahrsager setzen die Porzellanschnecken ein. In Indien gelten die Kauris als Talismane (Glücksbringer). Die Gehäuse werden zusammengepresst, und das daraus entstehende Pulver wird wegen seines hohen Kalziumgehalts als Medikament verwendet. Einen prominenten Platz hat die Kauri auch im afrikanischen Staat Mali bekommen. Die Nationalbank in der Hauptstadt Bamako hat ihre Fassade mit der Kaurischnecke geschmückt.

Quelle: NZZ 3.11.2002 / Ariella Dainesi